Das meint die Presse.....

Spontan und heiter, das ist Utobia

Das Improvisationstheater erfindet im Theater Atrium Weizenkörner mit Schweine-Phobie und schmettert das Lied „Die Spätzleprinzen vom Schwabenland“. Das Publikum hat an den beiden Abenden gewaltiges Vergnügen.

 

„Umwerfend teutonisch-österreichische Bühnen-Initiativen-AG“, kurz: UTOBIA. So nennt sich eine zehnköpfige Improvisations-Schauspielgruppe, die sich 2013 in Meckenbeuren gründete. Sie zeigt ihre Sommershow im Häfler Theater Atrium. Auf der Bühne entstehen aus dem Moment heraus neue Ideen, Texte und Szenen. Über den Gegenstand des Spiels entscheidet stets das Publikum. Zu Beginn des Abends weiß noch keiner was passieren wird, nicht einmal die Schauspieler selbst.

Renate Schulz tritt auf die Bühne und begrüßt mit einem fröhlichen „Bonjour Friedrichshafen“ und ein paar Aufwärmübungen, bei denen auch das Publikum mitmacht. Die Show fängt mit einer Dirigier-Geschichte an, welche vom Publikum gewählt wird, in diesem Fall ein Krimi. Auch der Anfangssatz „nicht nochmal“ wird von den Zuschauern bestimmt. Regie führt ab hier der Moderator Herbert Kessler. Er zeigt auf den jeweiligen Schauspieler, der nun die verrückte Geschichte weiterspinnen darf; er wechselt fast im Sekundentakt. Während des Spiels stellt der Moderator knifflige Anforderungen an das improvisierte Stück: Wörter wie „und“, „der“, „die“, „das“ dürfen nicht mehr verwendet werden. Wer sie trotzdem gebraucht, verliert.

Der Gewinner darf nun den Krimi in einem erheiternden Vierzeiler enden lassen. Durch diese und weitere Elemente aus dem klassischen Theater und dem modernen Improvisationstheater zaubern die Darsteller zahlreiche phantasievolle Momente, die das Publikum begeistern. Die äußeren Rahmenbedingungen der verschiedenen Szenen sind gesteckt, nun gilt es, sie füllen. Erwachsene und vor allem Kinder bringen Vorschläge für Handlungsorte, Rollen und Situationen ein. So passiert es, dass aus Britta Lutz plötzlich Frau Doktor Bürzele von der „Schweinedoktorberatungsstelle“ wird, zu der ein verzweifeltes Weizenkorn (Claudius Jehle) kommt, das Angst davor hat, von einem Schwein verspeist zu werden. Frau Bürzele hat natürlich immer einen erfinderischen Rat zur Hand, den sie in einem improvisierten Song vorträgt.

Rasant geht es weiter mit zwei Komissaren, die Caro Dambach verhören: sie hat ein Raumschiff auf einem Behindertenparkplatz abgestellt. Die Delinquentin weiß allerdings nicht, um was es geht und versucht, sich im Laufe des Verhörs verzweifelt rauszureden – und herauszufinden, was sie überhaupt verbrochen hat. Dies gelingt ihr und sie wird mit tosendem Beifall belohnt.

Der Abend ist gespickt von Gelächter und lebhaften Szenen. Aberwitzige Hirngespinste werden ungeniert in die Tat umgesetzt. Völlig verrückte „Utobien“ entstehen. Laufend wechselnde Spielregeln, Dialekte, Genres und Musik sorgen für einen kurzweiligen Abend. Die Gruppe übt wöchentlich, doch für die Show wird nichts vorher einstudiert. Requisiten und Kostüme, die auf der Bühne bereitstehen, werden nach Lust und Laune verwendet. Selbst die Musiker Niko Andresen und Konrad Krämer improvisieren am Keyboard und an der Gitarre. Aus einer Musicalszene in der Badewanne auf einer Dachterrasse in Manhatten ergibt sich der neue Sommerhit „Die Spätzleprinzen vom Schwabenland“. Der phantasievolle Abend endet schließlich in einem Fragespiel, das immer schneller und verworrener wird, bis sogar der Lichttechniker auf die Bühne stürmt und mitwirken will. Dies ist für die kleinen Zuschauer der absolute Höhepunkt. Aus der ersten Reihe hört man schon Fragen wie „Mama gehen wir hier nächstes Mal wieder hin?“ (Südkurier, 26.6.2017, Sophia Loos)

 

Das Publikum führt Regie beim Impro-Theater im Fabrikle

Das Team von Utobia stellt die Regeln herkömmlichen Theaters völlig auf den Kopf. Das konnten jetzt die rund 60 Besucher im Fabrikle in Hausen im Tal wieder live und begleitet von vielen Lachern erfahren.

 

Südkurier, 2.2.2017, Hermann-Peter Steinmüller

Normalerweise verzieht sich ein musisch begabter Mensch in sein Denkstübchen und erarbeitet dort einen Text. Diesen Text setzen später dann ein Regisseur und sein Team in ein Theaterstück um. Beim Impro-Theater ist das nun aber genau anders herum: Die Darsteller stehen dabei auf der Bühne und wissen nicht, was auf sie zukommt. Das Publikum ruft Begriffe oder kurze Handlungsstränge in den abgedunkelten Saal und danach müssen sich die Akteure richten. Sprich: Das Publikum führt Regie

Da war Flexibilität gefordert, beispielsweise bei der Gesangsnummer. Das Publikum durfte Länder nennen, aus denen Winterlieder zu singen sind. Da wurden Exoten wie Finnland oder Württemberg genannt. Die dann zu hörenden Lieder waren alle frei erfunden. Die Utobia-Leute schafften es, sich mit wenigen Dekorationsstücken als Vertreter des jeweiligen Landes vorzustellen. Und wenn das mit der Sprache nicht klappte – Fantasiewörter, die nach Finnisch oder Russisch klingen, waren schnell gefunden. Zusätzliche Hürde – die Besucher durften auch sagen, wovon die Lieder handeln sollten.

In einem anderen Part hatten die Theatermacher eine Szene bereits in grobem Rahmen vorbereitet. Jetzt sollten sich die Fabrikle-Besucher für einen Geruch entscheiden. Das Utobia-Team entschied sich für "nassen Hund" und schafften es sinnvoll nachvollziehbar, diesen Geruch in ihr Stück, das dann auch noch in einer Metzgerei spielte, einzubauen.

Da war der Einstieg in den Abend noch eine richtige Aufwärmübung. Es ging um Oma Lises Beschwerde bei einer Behörde. Das Publikum entschied sich für einen lauten Nachbarn als Beschwerdegrund und für das Ordnungsamt als Ansprechpartner. Alleine die Konstellationen für die einzelnen Spielsquenzen auf der Bühne hatten schon genügend Lachpotenzial. Dazu gab es noch viele Pointen, die die Schauspieler auf der Bühne aus ihrem Spiel heraus entwickelten. Da war Lachen garantiert.

Spontane Ideen auf der Saumarkt-Bühne

Ein zweieinhalbstündiger Abend mit vielen lustigen Kurzgeschichten. „Utobia“ sorgte für viel Spannung und Lacher bei Improvisationstheater.
Von Gemeindereporter Emir T. Uysal, Vorarlberger Nachrichten, 5. Juli 2016 
Ein zweieinhalbstündiger Abend mit vielen lustigen Kurzgeschichten.                                                                                                             © Emir T. Uysal
Feldkirch. (etu) Was zeichnet gute Schauspieler aus? Sie müssen ihre Rolle verinnerlichen, ihren Text auswendig lernen und mimisch sowie stimmlich überzeugen. Doch was ist, wenn das Publikum die Regie übernimmt und seine Ideen mit einbringt? Dann sind Spontanität und Improvisationstalent gefragt. Das Theaterkollektiv „Utobia“ hat das in seiner Sommer-Impro-Show bestens umgesetzt. Aus herausgerufenen Vorschlägen entstehen blitzschnell überraschende Geschichten. Berufe, Akzente, Geschlechtertausch und ethnische Gruppen gaben die fünf Darsteller zum Besten.


Um das Spiel noch interessanter zu machen, mussten auch Reime oder ganze Lieder aus dem Stegreif erfunden werden. Dabei entstand eine kunterbunte Mischung aus Country, Heavy Metal und sogar Operetten. „Ich bitte um einen Vorschlag für ein erfreuliches Familienfest“, so der Theaterleiter. Und blitzschnell wurde der Vorschlag einer Testamentseröffnung übernommen. Immer verworrener und umso lustiger wurden die Handlungen und Aufgaben in den Kurzgeschichten. Ein Romanze zwischen Pfarrer und Transvestit, ein Tagträumer eröffnet den Panamakanal, und es folgten drei weitere Improvisationen. Ein Abend, der den Gäste noch lange in den Köpfen bleiben wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Utobia sind schwer auf Zack

 Südkurier, 22.06.2016, Elfi Braschel, Friedrichshafen

 An zwei Abenden zaubert die Improtheatergruppe im Theater Atrium in ihrer Sommershow schräge Nummern aus dem Hut. Das Publikum dankt mit Lachsalven und Beifallsstürmen.

Schlüpfen Männer in die Haut von Frauen und umgekehrt, und überspitzen sie deren Merkmale, gibt es immer was zu lachen – eine der leichtesten Übungen der Improvisationstheatergruppe „Utobia“, die am vergangenen Samstagabend im ausverkauften Theater Atrium eine Lachsalve nach der anderen auslöst.

 Das Spannende dabei: Die fünf Spieler zaubern ihre Szenen einfach „aus dem Hut“ – mit viel Fantasie, Spontaneität und in fliegendem Rollenwechsel. Besonders witzig, wenn sie Dialekte oder ausländische Akzente anwenden. Dabei geht es recht turbulent zu: Die fünf Spieler kriechen auf dem Boden, tanzen, schreien, flennen oder schlagen Purzelbäume. Auch Singen ist gefragt; kann es einer nicht, trägt das umso mehr zur Erheiterung bei. Besonders dann, wenn dessen „Untalent“ sich bis zur Unerträglichkeit steigert. Auch Nico Andresen, Keyboard und Konrad Krämer, Gitarre, handeln spontan, wenn sie die Stimmungen mit Klängen entsprechend würzen.

 Den groben Rahmen steckt der charmante österreichische Moderator Herbert Kessler ab. Den Ort der Handlung, Titel, Namen und/oder einen Gegenstand bestimmt das Publikum. Als herrlicher blanker Unsinn entpuppt sich das Interview mit der „berühmten“ Regisseurin Monika Flachmeier über ihren ersten Horrorfilm „Zombie Mustang“, das auf die eingespielten, unspektakulären Szenen abgestimmt werden muss: Die Regisseurin, die bisher nur Kinderfilme gedreht hat, findet, dass so vieles im Leben mit Kindern und Tieren der Horror sein kann. Ein Schwarzweiß-Film im Sägewerk mit einer Banane? Kein Problem für „Utobia“. Der Waldarbeiter fällt die Bäume, der Chef pflanzt sie wieder ein, und Belinda Smith aus einer amerikanischen Großstadt kriegt den anfangs ablehnenden Chef mit einer Banane herum. Und singt: Schwarzwald und Banane...

 In den Tagen vor und nach Weihnachten gibt es mal Friede, Freude, Eierkuchen oder heftigen Zoff über das Riesenputenimitat für die Mutter. Denn: „Die ist nicht vegan, die ist einfach geistesgestört“. Egal was ein Hufschmied sagt, die drei anderen Spieler müssen darauf mit sinnentleerten Sätzen reagieren: „Ich mag Badeenten“, „Sie haben Recht“, „Passt scho“ oder „Ich liebe dich“. Bis der Hufschmied beinahe verzweifelt: „So a saudumms Gschwätz!“ Schnell eine Perücke aufgesetzt oder ein Tuch umgebunden, und schon ist man „Roberto Franco“ mit seinem Schlager „Ich hab Blasen“ oder Fernanda Sosa mit einem Tango. Und die hat vermutlich zu viele Schmonzetten geguckt: „Am Kongo ist es schwül, da hab ich viel Gefühl, da hab ich Triebe, da lebt die Liebe.“

 Das Publikum fordert „Utobia“ mit aberwitzigen Begriffen heraus, zum Beispiel beim raschen Wechsel zwischen Romantik im Schlachthof mit der Sau Theobald, den harten Tatsachen mit der „faulen Sau“ Theobald in der Post und dem Grusel mit dem Großwildjäger im Dschungel, der versehentlich eine Touristin erschießt, deren Leiche abhandenkommt und der Hut und Gewehr im Sumpfloch verliert.

  In der Oper „Der Diebstahl der goldenen Gans“ bei den Pyramiden mit einer mächtigen Sphinx ohne Nase und der Königin von Saba tobt das Publikum vor Vergnügen ob der haarsträubenden Geschichte der Königin, die ihr Volk nur retten kann, wenn sie dem bösen Ruchnaton ihre Unschuld schenkt, vor allem aber wegen der gesanglichen Höchstleistung mit wendigen Koloraturen. In der Szene im Salzbergwerk, in der jeder der drei Spieler einen synchronisiert und die Mundbewegungen zum „Playback“ des anderen macht, zeigt sich, wie gut Utobia sind. Das Loblied auf die Sachertorte wird zur „Hymne“ des Abends, das Publikum grölt lauthals mit: „Österreich liebt süß, zuckersachertortensüß“. „Utobia“ sind halt schwer auf Zack.

 

Schwäbische Zeitung, 10. Januar 2016

 

von Vera Romeu, Ausgabe Sigmaringen

 

Schauspieler klären Mord in Zahnarztpraxis auf

 

Gruppe Utobia improvisiert im Fabrikle und begeistert das Publikum

 

 

Die Gruppe Utobia spielt Improvistations-Theater im Fabrikle im Donautal. Das Publikum macht dabei die Vorgaben.

 

 

Sehr amüsiert hat sich das Publikum bei der ersten Veranstaltung des Jahres im Fabrikle im Donautal: Betreiberin Susanne Lermer hatte die Schauspieltruppe Utobia eingeladen. Es wurden Geschichten im atemberaubenden Tempo des Improvisations-Theaters gespielt, die das Publikum mit einzelnen Begriffen vorgegeben hatte.

 

Der Name Utobia ist die Abkürzung für „umwerfende teutonisch österreichische Bühnen Initiative AG“. Im Fabrikle fand die Gruppe einen genialen Ort vor, um ihre Geschichten zu fabrizieren. Was auf der Bühne als Improvisation aussah, war in vielen Übungen und Aneignung von Technik intensiv erarbeitet worden. Mit spontanen Einfällen überraschten die Schauspieler das Publikum und ernteten viel Applaus. Gekonnt wurde jede Geschichte eingeführt.

 

Das Publikum hatte nämlich sein Wörtchen mitzureden: Der Ort, die Charakteristik des Paares oder ähnliches wurde abgefragt und blitzschnell entstanden Ideen. Man sah es auf den Gesichtern der Schauspieler, wie sie gewieft und traumwandlerisch zugleich in die Rollen schlüpften. Es wurde mit dem Publikum eingezählt: fünf, vier, drei, zwei, eins! Es wurde kurz dunkel und dann ging es los. Witzige, philosophische und skurrile Einfälle kamen dabei heraus. Mit der genialen Intelligenz der Intuition wurde gemordet, geküsst, gelogen, gelitten, gelacht, geschimpft und gefeilscht. Es war das Tempo und die Kürze der Sätze, die eine Geschichte auf den Punkt brachten und kulminieren ließen, und die große Kunst des Schnitts, die den Abend so herrlich unterhaltsam machten. Niko Andresen sorgte für die passende Musik.

 

Impro-Theater lebt von unterschiedlichen Übungen. Die Hausherrin Susanne Lermer brachte ein Holzscheit auf die Bühne, die Impro-Künstler machten daraus ein Handy, eine Zigarette, das Horn eines Einhorns – und dazu reichte ein Satz und ein Gesicht. Die Geschichte eines Mords in der Zahnarztpraxis wurde in Szenen rückwärts gespielt. Einfallsreich und verschmitzt ließen die Schauspieler einen gruseligen Thriller entstehen. Ein Galan hatte sein erstes Blind-Date mit einer Frau: Sie wurde von drei unterschiedlichen Schauspielerinnen dargestellt, die sich verspielt, verklemmt und intellektuell gaben, so wie es das Publikum vorgegeben hatte. Der erste Kuss auf der Baustelle, der letzte im Beichtstuhl – so hatte es das Publikum gewollt – wurde über kreuz gespielt, immer wieder wurde ge-switcht. Da konnte man nur noch staunen.

 

Musical spielt auf dem Recyclinghof

 

Die Schauspieltruppe sang auch und bereicherte den Abend mit improvisierten Liedern. Ein Musical auf dem Recyclinghof mit einem Liebespaar entwickelte sich spontan und übte auch noch Sozialkritik. Aktuell aus den Tagesthemen der Gesellschaft wurde eine Gerichtsverhandlung gespielt: Einer Frau wurde vom Untersuchungsrichter vorgeworfen, in der Silvesternacht in Köln Männer angegrabscht zu haben. Sie musste ihr Alibi vortragen, das sie aber nur aus den Fragen des Richters und den gestikulierenden Armen der hinter ihr stehenden Schauspielerin erraten konnte. Das Publikum jubelte.

 

Am Ende wurde bei der Zugabe durch spontane Einwürfe und kurz gespielte Szenen der gesamte Abend Revue passieren gelassen und schlagartig beendet, als er in seiner Komik nicht mehr zu überbieten war.

 Südkurier 23. Juni 2015

23.06.2015  |  von Elfi Braschel, Ausgabe Friedrichshafen

 

Durchs wilde „Dschingistan“

 

Friedrichshafen - Die Impovisationsgruppe Utobia reißt die Besucher im ausverkauften Theater Atrium zu Lachsalven hin.

 

Fünf, vier, drei, zwei, eins, los – so wird im Improvisationstheater (Impro-Theater) eingezählt und schon ist Action angesagt, mit vom Publikum erdachten Personen, Titeln und Schauplätzen. Die Impro-Gruppe Utobia aus Meckenbeuren zeigt jedes Mal aufs Neue, wie meisterhaft es ihnen gelingt, darauf blitzschnell und pfiffig zu reagieren. Am Samstagabend spielen sich die sieben Darsteller im ausverkauften hochsommerlich dekorierten Theater Atrium in Friedrichshafen gegenseitig an die Wand. Ein Gitarren-Querflöten-Duo unterhält vorweg und in der Pause, und zu den unterschiedlichen Geschichten beschwören Gitarre und Keyboard atmosphärische Dichte herauf, spontan improvisiert, quer durch alle Musikrichtungen. Da sind wahre Experten am Werk. Das Publikum steckt den groben Rahmen für das, was auf der Bühne passiert, alles Weitere ist Utopie. Selbst die Spieler wissen nichts über den Verlauf und Ausgang der Geschichte. Ganz schön fies können die Begriffe ausfallen, zum Beispiel bei „Musik aus allen Richtungen“. Das Publikum will einen Rap sehen und noch dazu über „Haftpflichtversicherung“. Geht nicht? Geht doch. Utobia rappt den Begriff nach allen Regeln der Kunst durch. „Roberta West“ aus New York zaubert die brillante Jazznummer „Go West“ aus dem Hut und „Corinne de la Maison“ flötet ein französisches Chanson. Den Melodic Death Metal Song „Nachts am Kühlschrank“ rockt die Truppe, dass die Bühne bebt. Hier ist Moderator Herbert mit wildem Gekreische der Frontmann. Nach „Alles, was ich finde, ist 'ne tote Fledermaus“ mutiert der Song zur heftigen Vampir-Nummer mit furchterregenden Zombies im Hintergrund.

Über schwäbische Schnoddrigkeit mit losem Mundwerk gibt's genauso viel zu lachen wie über einen „Scheidungsantrag“ auf Knien oder ein Ratespiel. Nachdem ein Spieler hinausgeschickt worden war, muss er die pantomimisch dargestellte Person samt Utensil erraten. Die Mitspieler verbiegen und verrenken sich und gestikulieren wie wild. Zum Kringeln ist auch das Märchen aus Thailand. Da geht es um einen schüchtern tippelnden Panda-Bär, hinreißend imitiert, dem ein Adler Mut beibringt, bis er schließlich übermütig mit seinen Muckis protzt. Zu asiatisch anmutender Musik tanzt ein thailändisches graziöses Märchenballett. Doch dann kommen die bösen Schildkröten und vollführen einen bedrohlichen Schildkrötentanz. Eine herrlich verschrobene Geschichte wie so viele andere auch, zum Beispiel die Balkonszene bei Romeo und Julia zum Thema „Hassliebe“. Romeo gesteht: „Als du mich rausgeschmissen hast, das hat mich voll angeturnt.“

Unterschiedliche Disziplinen gibt es an einem solchen Abend wie zum Beispiel eine Geschichte gleichzeitig in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu inszenieren oder zu spielen und gleichzeitig zu erzählen. Und da fallen dem Erzähler die kuriosesten Sätze ein: „...sagte sie und schlug ein Rad.“ Das Rad gelingt jedoch perfekt. Hier sind wohl Alleskönner am Werk. Ganz schön schwierig, immer Komik hereinzubringen, aber Utobia ist so schlagfertig wie witzig und glänzt mit prallem Ideenreichtum. Im Laufe des Abends kommen sie immer mehr auf Hochtouren.

Einen Angriff auf die Lachmuskeln liefert auch die Folklore-Gruppe aus „Dschingistan“ in der fingierten Landessprache mit Simultanübersetzung über „Winde fern der Taiga“. Ein Brüller ist das Interview mit simultaner Gebärdensprache mit der Willensforscherin aus Leiden (jammervolle Körperhaltung). Jetzt muss es Schlag auf Schlag gehen. Da gibt's kein Halten mehr, vor allem als es um „da liegt der Hase im Pfeffer“ geht: Hände an den Kopf (die Hasenohren) und sich auf den Boden (in den Pfeffer) werfen ist eins. Fazit: Mit ihren schrägen Inszenierungen hat Utobia mal wieder den Vogel abgeschossen.

 

  Südkurier 22. Dezember 2014

22.12.2014  |  von Elfi Braschel, Ausgabe Friedrichshafen


Witz und Fez im Weihnachtswald


Friedrichshafen -  Virtuos rockt das Improvisationstheater „Utobia“ im Theater Atrium die Bühne.


Was müssen Spieler eines Improvisationstheaters nicht alles können! Schnell im Denken, spontan, phantasievoll und körperlich fit müssen sie sein. Außerdem braucht es ein breites Wissensspektrum. Dabei wissen die Darsteller nicht, was auf sie zukommt. Mit den Themenvorschlägen und Namen aus dem Publikum stampft ein Improvisationsteam dann die Szenen aus dem Boden. Eines ist jedoch sicher: Es gibt viel zu lachen. So auch am Samstagabend im voll besetzten Theater Atrium mit dem Improvisationstheater „Utobia“. Die neun Darsteller aus der Region, darunter ein Österreicher, und ein Mann am Keyboard kreieren ad hoc und mit viel Körpereinsatz Komödien, Dramen oder Horrorgeschichten. Dabei entstehen die kuriosesten Situationen, die sich oft zum aberwitzigen Knaller hochschaukeln. Je kurioser die Begriffe, desto mehr laufen die Spieler zur Hochform auf, wie zum Beispiel in der heimlichen Liebe des Pfarrers zu seinem „Schäfchen“ Theresia in der Mariengrotte. Sie will ihn verführen: „Hier sieht's doch keiner.“
Bereits vor der Aufwärmphase mit einem Tablett, das, je nach Vorstellung des Spielers, unterschiedliche Bedeutung hat – unter anderem ein Telefon, eine Gitarre oder ein Herzschrittmacher –, setzen die Besucher im festlich geschmückten „Weihnachtswald“ der weihnachtlichen Stimmung eins oben drauf. Sie imitieren knirschenden Schnee, ächzende Äste und Pferdegetrappel des nahenden „Hou, hou, hou“ rufenden Weihnachtsmanns. Und schon herrscht beste Stimmung. Nicht nur, dass die Spieler- und Szenenwechsel rasant vonstatten gehen.
Wenn zum Beispiel eine „Oper“ verlangt wird, wird auch gesungen. Und es gelingt dem Team sogar, aus dem Nichts heraus zu reimen. Wie unglaublich vielfältig improvisiert wird, zeigen die unterschiedlichsten Genres. Ob sich zwei Spieler im Reklamationsratespiel um Kopf und Kragen reden, ob im musikalischen Eifersuchtsdrama „Gloria“ das Herz in Wallung gerät, ob im „Zeltlager“ der „Oberzeltwebel“ um seinen Job bangen muss und dabei Vergangenheit und Zukunft beleuchtet werden oder ob fingierte Lieder einer Weihnachts-CD unterschiedlicher Stile gewünscht werden – die Spieler bringt nichts aus der Fassung. Im Gegenteil: „Rudolph und seine Gesellen“ glänzen im Kinderlied genauso wie im Hard-Rock-Brüller „Schlittenfahrt“. Sogar im Interview rückwärts mit einem Unterwasserarchäologen über einen Marzipanfisch mit japanischer Großmutter – in Atlantis entdeckt mit einer Rückenflosse, die er über den Kopf stülpt –, ist man fassungslos ob der spontan erdachten Redewendung in Japanisch: „Hog shi do, laba sami“ – „Lieber den Fisch in der Hand als die Qualle im Netz“. Und schließlich das noch: Der Synchronsprecher an einem finsteren Ort ist „höllisch“ gut und der betrunkene Weihnachtsmann verläuft sich auf Mauritius: „Oans, zwoa gsuffa“. Auch das Publikum kann sich an den ideenreichen Gags von „Utobia“ berauschen, die in allen Variationen brillieren.

 

Südkurier 24. Juni 2014

Ausgabe Friedrichshafen - Sabine von Bellersheim

 

Schwarzbraun ist das Abendrot

Das Impro-Theater „UTOBIA“ begeisterte das Publikum im ausverkauften Atrium.  

 

Ein Kescher, ein Riesenschwimmring, ein Wasserball, eine große Sonne, ein Bademeister – kurzum: Sommer, Sonne, gute Laune suggerierte die Bühnenausstattung. Wobei der Bademeister nicht zur Kulisse zu rechnen war, denn er übernahm am Freitag im Theater Atrium den Part des Conférenciers.

Impro-Theater lebt, wie der Name schon sagt, von der Improvisation. Also: unmittelbar ohne Vorbereitung etwas darbieten. Einiges spricht dafür, dass viele Besucher durchaus wussten, was da auf sie zukommt. Das war sehr hilfreich für die Akteure, denn ohne Publikum gibt es praktisch kein Impro-Theater. Die Szenen werden nämlich entwickelt aufgrund der Vorgaben aus dem Publikum. Im Atrium herrschte kein Mangel an Ideen, egal ob ausgefuchst oder eher belanglos, die Zuschauer mussten nicht lange gebeten werden. Ob die ausgelobten und tatsächlich auch verteilten Prämien zusätzlich wirksam wurden? Eines Up-Warmings hätte es gar nicht bedurft, aber es war trotzdem spaßig, den Wind über die Tundra wehen zu lassen oder Wolfsgeheul anzustimmen. Ein Gruppenmitglied war einzig dafür abgestellt, sofort zu erfassen, von wem ein Vorschlag kam, und denjenigen unverzüglich zu belohnen. Zum Thema passend wurden praktische kleine Flaschen mit Sonnenmilch verteilt, dazu ein ebenso orangefarbenes Schlüsselband des Klett-Verlages.

 

Klett – kein Wunder, denn diese Truppe „UTOBIA“ erwuchs aus dem seit Jahren laufenden Theaterprojekt für die Teilnehmer am Lehrerseminar in Meckenbeuren. Ein paar Junglehrer und auch Externe wollten mit dem Ende des Projekts nicht aufhören, wollten weitermachen. Noch „schlimmer“: Sie wollten nicht „nur“ Theater spielen, mit vorgegebenen Rollen. Impro, das war's was sie lockte. All diesen Junglehrern kann unbesehen attestiert werden, dass sie begriffen haben, worauf es im Schul-Dienst ankommt. Die große Kunst, Kinder und Jugendliche hinterm Ofen hervorzulocken, heißt Motivation. Dafür wären Entertainer-Qualitäten und Flexibilität verdammt nützlich. Theaterspielen und wie viel mehr noch Impro-Theater bietet also die perfekte Grundlage dafür.

Das kleine Theater Atrium platzte aus allen Nähten – wie schön für die Schauspieler! Die Stimmung auf beiden Seiten war entsprechend ausgelassen. Nicht zuletzt durch Nico Andresen, den sie als vielseitigen Keyboarder gewinnen konnten. Das Publikum schickte die sieben Darsteller in den Dschungel, in die Mongolei oder in eine Kemenate, sie wurden mit allem fertig. Sie glänzten aber auch mit einem fürchterlichen Sommerhit (Plitsch-Platsch) oder im Heino-Stil.

Ganz hervorragend gelang die Heavy-Metal Nummer „Pack die Bohrmaschine ein“ mit Bass-Gegröle und finsteren Mienen. Toll kam auch der „Gromolo-Switch“ an. Auf Zuruf „Switch“ mussten die Beteiligten übergangslos vom normalen Dialog in die Nonsense-Sprache Gromolo wechseln. Auch vor Opern-Atmosphäre machten sie nicht halt. Oder Reimen aus dem Stegreif (was durchaus noch mehr kultiviert werden darf).

Riesig erfolgreich war, wie ein „good“ und ein „bad cop“ einen ahnungslosen Delinquenten so lange triezten, bis der endlich sein „Verbrechen“ herausfand: Er hatte sich schuldig gemacht, indem er weiße Socken und Sandalen zu tragen gewagt hatte. Auch dieser wunderbare Vorschlag kam aus dem Publikum, das mit gehörigem Respekt die Leistungen der UTOBisten würdigte.